1855 1855
1895 1895
1901 1901
1923 1923
1938 1938
1945 1945
1994 1994
2001 2001
2004 2004

1855


Im Jahre 1855, als die Deutschen noch 16 Jahre auf die Gründung des Deutschen Reiches warten mussten, als Friedrich Wilhelm IV. König von Preußen war, als das Königreich Preußen 21,319 Millionen Einwohner zählte, als in der Rheinprovinz 3,006 Millionen Menschen lebten, als die Stadt Köln 106.852 Einwohner hatte, fasste in Köln der Kaufmann Peter Heinrich Krücken den Plan zur Gründung eines Agenturgeschäfts in Getreide und Mehl. Auf der Grundlage der Allgemeinen Gewerbe-Ordnung vom 17. Januar 1845 wurde ihm am 18. Juni 1855 vom Königlichen Landrat und Polizeidirektor der Stadt Köln hierzu die schriftliche Genehmigung erteilt, wofür er eine Gebühr von einem halben Thaler und 15 Groschen zu entrichten hatte. Der Zahn der Zeit und die Zerstörung durch Brand und Bomben im Zweiten Weltkrieg haben es uns verwehrt, von der anfänglichen Entwicklung des jungen Unternehmens Kenntnis zu erhalten. Auch über die Person des Firmengründers sind keine Einzelheiten bekannt, weder über seine Geburt noch über sein Wirken und seinen Tod. Die mit der Reichsgründung im Jahre 1871 verbundene wirtschaftliche Umstellung mit der Folge wachsender Dimensionen und einer Neuorientierung der Handelsströme mag sich Peter Heinrich Krücken die Chance geboten haben, den gigantischen Aufschwung zu nutzen, wenngleich sich besonders in den 1880er Jahren für den deutschen Getreidemarkt tiefgreifende Konsequenzen aus der Tatsache ergeben haben, dass die schnell wachsende Bevölkerung einen immer größeren Bedarf an Getreide und Getreideerzeugnissen verursachte, andererseits ausländisches Getreide verstärkt und oft zu Dumpingpreisen in das Deutsche Reich eingeführt wurde und den Absatz des inländischen Getreides erschwerte. Im Jahre der Reichsgründung wurden 982 000 t Roggen, Weizen und Gerste in das Reich importiert; im Jahre 1890 waren es bereits 3,047 Millionen Tonnen. Aus diesen und andere strukturellen Umwandlungen in der Getreideversorgung dürften sich auch für das Agenturgeschäft von Peter Heinrich Krücken Umstellungs- und Anpassungszwänge gleichsam in Permanenz ergeben haben. Dies ist umso mehr anzunehmen, als bekannt ist, dass Krücken sein Geschäft weitgehend nach Osten orientiert hatte. Er hatte gute Verbindungen zu russischen Abladern. Es wird darum großes Geschick von Krücken bedurft haben, um in dieser stürmischen Entwicklung, von deren Tempo und Ausmaßen wir heute kaum eine Vorstellung haben können, Maklerfunktionen sowohl zum Nutzen der Versorgung und seine Kunden, als auch zum Gedeihen seines Unternehmens ausüben zu können. Die Getreideeinfuhr kam damals zu einem erheblichen Teil aus Russland und den Balkanstaaten; sicher ein Grund für Krücken, sich dorthin zu orientieren. In zunehmendem Maße aber bildeten sich auch in den USA, in Argentinien und schließlich auch in Australien und Kanada Überschüsse an Getreide, die in den deutschen Markt drängten. Bismarck führte daraufhin die Schutzzölle ein. Im Januar 1880 wurden die Einfuhrzölle für einen Doppelzentner Roggen, Weizen und Hafer auf eine Mark, für einen Doppelzentner Gerste auf eine halbe Mark festgesetzt. Die Sätze wurden laufend und schnell erhöht und lagen nach nur sieben Jahren auf fünffacher Höhe der Anfangsbeträge. Auf diese historischen Zusammenhänge hinzuweisen, schien notwendig, weil sie in Ermangelung firmengeschichtlicher Daten aus jener Zeit eine Begriff davon vermitteln können, unter welchen Vorrausetzungen das junge Unternehmen gearbeitet haben muss. Mit der zunehmenden Zollbelastung, die das Anwachsen der Einfuhr dennoch nicht verhinderte, und mit dem Vordringen von Getreide aus der westlichen Hemisphäre waren unstreitig große Schwierigkeiten für ein Agenturgeschäft in Getreide- und Mehl, welches sich auf Bezüge aus dem Osten Europas konzentrierte. Es ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, dass die Hinwendung seiner Geschäftsbeziehungen zu dem deutschen Osten, also den Ostgebieten des deutschen Reiches, für Krücken eine, wenn auch nicht die alleinige, und vielleicht nicht einmal die wichtigste Schlussfolgerung gewesen sein muss.

1895


Peter Heinrich Krücken hat sein Agenturgeschäft 40 Jahre geführt, bis er es am 1. Januar 1895 Albrecht Rudolf Paul Kuchenbuch übertrug. Es waren, daran kann nicht gezweifelt werden, 40 Jahre großer wirtschaftlicher und betrieblicher Umstellungen in einer Zeit, in der Persönlichkeiten der Wirtschaft in ihren Aufgaben schneller reiften, als es heutzutage meist der Fall ist. Seit der Übertragung auf Kuchenbuch ist das Unternehmen P. Krücken bis heute ununterbrochen im Besitz der Familie Kuchenbuch. Einzelheiten dieser langen Geschichte nachzuzeichnen, soll auf den folgenden Seiten versucht werden. Albrecht Rudolf Paul Kuchenbuch war aus Thüringen an den Rhein gekommen. Er wurde am 12. Januar 1867 in Großwanzleben /Thüringen geboren. Seine kaufmännische Lehre absolvierte er von 1884 bis 1887 in einer Firma der Textilbranche in Magdeburg. Vom 1. Januar 1888 bis 30. September 1890 war er in Koblenz kaufmännisch tätig, bis er dann nach Köln kam und als Teilhaber in das Agenturgeschäft von Krücken eintrat. Am 30. November 1894 unterzeichneten Peter Heinrich Krücken und Albrecht Rudolf Paul Kuchenbuch vor einem „ Königlich Preußischen Notar im Bezirke des Königlichen Oberlandesgerichts zu Cöln am Rheine“ folgenden Vertrag: Paul Kuchenbuch tritt am 1. Januar 1895 in die Firma„ Peter Krücken Agentur- und Kommissionsgeschäft in Landesprodukten“ als persönlich haftender Gesellschafter ein. Die so gegründete offene Handelsgesellschaft behält die bisherige Firma und ihren Sitz in Köln bei. Zweck der Gesellschaft ist der „Betrieb von Agentur- und Kommissionsgeschäften in Getreide und verwandten Artikeln“. Die Geschäfte übernahm Kuchenbuch, während Krücken „nur insoweit zur Mitarbeit verpflichtet sein soll, als vorgerücktes Alter und der wechselnde Gesundheitszustand desselben dies zulassen“.

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1901


Am Gewinn und Verlust des Geschäfts waren nach diesem Vertrag beide Gesellschafter je zur Hälfte beteiligt. Die Dauer der Gesellschaft wurde auf sechs Jahre festgesetzt.  Nach Ablauf von sechs Jahren ging das Unternehmen mit allen Aktiva und Passiva auf Paul Kuchenbuch über, also zum 1. Januar 1901. Zu diesem Zweck hatte Kuchenbuch vertragsgemäß zum Ablauf der Gesellschaft, also zum 31. Dezember 1900, eine Bilanz zu erstellen und das darin ausgewiesene Guthaben an Krücken auszuzahlen. In den drei Jahren von 1901 bis 1903 musste Kuchenbuch noch ein Drittel des in den jeweiligen Jahresbilanzen ausgewiesenen Reingewinns an Krücken bzw. seine Erben zahlen. Als Albrecht Rudolf Paul Kuchenbuch 1895 persönlich haftender Gesellschafter in dem Agenturgeschäft von Krücken wurde, um es 1901 als alleiniger Inhaber zu übernehmen, war er erst 28 Jahre alt. Es wird auch seinem jugendlichen Alter zuzuschreiben sein, dass er die Firma schnell zur Blüte führte. Ihm und dem Unternehmen ist dabei zu Gute gekommen, dass es ihm vergönnt war, 43 Jahre lang die Geschicke der Firma maßgeblich oder allein zu bestimmen, bis er 1938 im Alter von 71 Jahren starb. Als 1895 Kuchenbuch seine Arbeit begann, hatten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse im Vergleich zu denen der Zeit der Firmengründung wesentlich verändert. Inzwischen war das Deutsch Reich gegründet worden, das 1895 schon über 55 Millionen Einwohner zählte und das die politischen Voraussetzungen für einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung bot. In der Rheinprovinz lebten jetzt 5,384 Millionen, in Köln über 170 000 Menschen. Auch unter Kuchenbuch befasste sich die Firma P. Krücken hauptsächlich mit der Vermittlung von Mehl der ostdeutschen Mühlen ins Rheinland, ferner von Getreide, vorallem Mais und Roggen. Es ist überliefert, dass Kuchenbuch bis 1914 mehrfach Russland besucht hat, was damals verkehrstechnisch noch ein großes Problem war. Er hatte nachweislich die Vermittlung für einige der größten russischen Ablader.  Es spricht auch einiges dafür, dass er vor dem ersten Weltkrieg russisches Getreide nicht nur vermittelt, sondern auch selbst importiere, wenn sicher auch davon ausgegangen werden muss,  dass solche Propergeschäfte nicht die Regel waren. Informationen von seinem damaligen Finanzstatus lassen den Schluss zu, dass das Geschäft schon vor dem ersten Weltkrieg gut florierte. In der Zeit bis 1914 unterhielt die Firma Niederlassungen in Rotterdam, Antwerpen sowie Mannheim und Duisburg. Von diesen vier Niederlassungen wurde nach dem ersten Weltkrieg nur die in Mannheim wieder tätig. Der Weltkrieg 1914/18 bedeute für die deutsche Getreideeinfuhr ein große Zäsur. Das Geschäft der  Firma Krücken kam nur langsam wieder in Gang. Es wurden viele Gelegenheitsgeschäfte gemacht, auch solche, die sich nicht auf Getreide und Mehl erstreckten. Bekannt sind Importe von Zucker und Hülsenfrüchten. Zu Überstehen waren vor allem die Jahre bis zur Inflation im Jahre 1923. In der Inflationszeit stiegen die Preise so schnell, dass die Geschäfte  oft mit der Bedingung der Barzahlung noch am selben Tag oder spätestens am Morgen des nächsten Tages abgeschlossen wurden. Oft wurde auch die Zahlung in fremder Währung, in US-Dollar oder Pfund Sterling, vereinbart.

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1923


Im Inflationsjahr 1923 erwarb Kuchenbuch die Alleinvertretung der besten und größten englischen Mühle. Das Mehl wurde unter der Marke „BB-Patent“ im Rheinland, in Westfalen und in geringerem Umfang auch nach Süddeutschland vertrieben. Dieses Englandgeschäft wurde auch nach der Stabilisierung der Währung fortgeführt. Es wurde in englischer Währung abgewickelt und dürfte Kuchenbuch über viele Schwierigkeiten der damaligen Zeit hinweggeholfen haben. Es wäre aber falsch, hieraus schlussfolgern zu wollen, Kuchenbuch habe ohne Rücksicht auf volkswirtschaftliche Interessen Vorteile gesucht.  Als  1924 Kuchenbuch von den Behörden um Stellungnahme gebeten wurde wie die Einfuhr von englischen und amerikanischen Mehl zu beurteilen sei, antwortete er, dass sie für ihn lohnend, im volkswirtschaftlichen Interesse aber nicht zu vertreten seien. Nicht zuletzt unter Berufung auf diese Stellungnahe Kuchenbuchs wurden dann Schutzzölle eingeführt. Andererseits war Kuchenbuch realistisch genug, das Ende des großen Mehlimports vorauszusehen und frühzeitig Konsequenzen zu ziehen. In den 1920er Jahren knüpfte er Verbindungen mit über 100 ostdeutschen Mühlen. Diese Umstellung war so terminiert, dass  nach Beendigung der Importe das Geschäft mit den ostdeutschen Mühlen voll  lief. Diese Transaktion dürfte, zumindest teilweise, als Propergeschäfte durchgeführt worden sein. Die Firma P. Krücken lieferte in großem Umfang Mehl aus Ostpreußen, Pommern, Mecklenburg und Schlesien in der Hauptsache in Schiffsladungen, auch aber in Waggons ins Rheinland, nach Westfalen und nach Süddeutschland an Brotfabriken, Mehlhändler und Bäckergenossenschaften. Dieses Geschäft wurde schließlich durch die Aufnahme von Getreide und Futtermitteln in die Angebotspalette ergänzt. Es mag heute überraschend sein, dass dieses Geschäft nach der Gründung des Reichsnährstandes noch wuchs.  Aber das damalige System förderte den Ausgleich zwischen der Überproduktion von Getreide und Mehl im Osten und dem Zuschussbedarf im Westen.  So wurde vorgeschrieben, dass die großen Weizenmühlen am Nieder- und Oberrhein dem Weizenmehl  5 % Roggenmehl beimischen mussten. Dadurch blieb das Roggenmehlgeschäft bis nach Kriegsende umfangreich. Es sollte nachgetragen werden, dass vor dem zweiten Weltkrieg auch beachtliche Getreidegeschäfte mit dem Osten gemacht wurden, indem Weizen und Roggen an die Mühlen in West- und Süddeutschland vermittelt wurden. Damals hatte die Firma P. Krücken u.a. die Vertretung der Firmen Werner & Söhne in Mannheim. Sie stand auch im engen Kontakt mit anderen Weizenmühlen.

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1938

Als Albrecht Rudolf Paul Kuchenbuch am 25. Juli 1938 starb, befand sich das Unternehmen dank einer zielstrebigen und kontinuierlichen Geschäftsführung über vier Jahrzehnte in voller Blüte. Das Unternehmen wurde dann an Maria Kuchenbuch geb. von Gimborn, der Witwe des Verstorbenen, weitergeführt. Sie war am 28. Juni 1876 geboren. Sie leitete die Firma im Sinne ihres verstorbenen   Gatten über 20 Jahre. Sie starb im Alter von 84 Jahren am 3. Februar 1961. Schon am 26. Juli 1938, nach dem Tod seines Vaters Albrecht Rudolf Paul Kuchenbuch und noch zu Leibzeiten seiner Mutter Maria Kuchenbuch, übernahm Werner Kuchenbuch die Geschäftsführung des Stammhauses in Köln. Am 6. Februar 1903 geboren, war ihm leider kein langes Leben vergönnt. Er starb, 48jährig, am 28. Mai 1951 an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Obwohl er nur 13 Jahre in der Firma wirkte, fiel seine Tätigkeit in eine schwere Zeit.  Kriegs- und Nachkriegsjahre erforderten Mut, Aufopferung und vollen persönlichen Einsatz unter schwierigsten Bedingungen. Werner Kuchenbuch hatte besonders am Wiederaufbau der Firma nach dem Kriege herausragenden Anteil. In der Zeit des schnellen Aufschwungs vor dem ersten Weltkrieg hatte Albrecht Rudolf Paul Kuchenbuch das Grundstück Altenberger Straße 23 in Köln erworben und darauf jenes Gebäude errichtet, in dem sich noch heute die Geschäftsleitung der Firma befindet. Dieses Gebäude war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, was die zeitweilige Verlagerung der Büroräume nach Bad Honnef zur Folge hatte. Nach dem Krieg führte Werner Kuchenbuch den Firmensitz nach Köln zurück. Zunächst brachte er das Büro provisorisch in seinem eigenen, nur notdürftig wieder hergerichteten Haus in der Tiergartenstraße unter. Nach dem Wiederaufbau des Geschäftshauses in der Altenberger Straße im Jahre 1950 wurde die Geschäftsleitung an ihren traditionsreichen Platz zurückverlegt.

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1945


Nach dem Ende der Weltkrieges 1939/45 gab es zunächst nur wenig Anknüpfungspunkte für den Wiederaufbau der Firma. Der Wirtschaftsraum in Ostdeutschland war verloren gegangen. Allerdings hatten sich die Geschäftsbeziehungen der Firma P. Krücken schon vor und während des Krieges insofern verlagert, als das Ost-West-Geschäft zu Gunsten eines West-Süd-Geschäfts und zum Teil auch West-Nord-Geschäfts zurückgedrängt worden war. Es ging nun darum, diese Umstrukturierung auszubauen und zu vertiefen. Der Markt, in dem dies geschehen musste, war indes stark eingeengt. Diesem schwierigen Wiederaufbau kam zugute, dass auf Initiative von Werner Kuchenbuch ein neues Handelsgebiet erschlossen wurde, ähnlich wie auch nach dem ersten Weltkrieg vorübergehend auf andere Artikel ausgewichen worden war. Gemeint ist der Handel mit Kartoffel – walzmehl, das aus amerikanischen Beständen freigegeben wurde und das von der ebenfalls wieder aufstrebenden Holz- und Möbelindustrie als Zusatz für den Kunstharzleim gebraucht wurde. Nachdem diese Bestände aufgebraucht waren, wurde dieser Geschäftszweig noch eine Zeitlang mit Bohnenmehl fortgesetzt, bis wieder die Verwendung von Getreidemehl für technische Zwecke zugelassen wurde. Man muss die schwierigen Verhältnisse nach dem Krieg kenne, um die Bedeutung dieses Geschäfts richtig einzuordnen. Für den Wiederaufbau der Firma und zur Sicherung des Fortbestandes des Unternehmens in der Übergangzeit, hatte es große Bedeutung. Es hat den planmäßigen Auf- und Ausbau des ursprünglichen Handels mit Getreide, Mehl und Futtermitteln ermöglicht und erleichtert.
Schließlich ging es nach dem verlorenen Krieg zunächst nur ums Überleben. Das Getreide- und Futtermittelgeschäft konnte erst allmählich wieder in Gang gesetzt werden. Im Jahr 1948 wurden in der Bundesrepublik Deutschland nur 7,925 Millionen Tonnen eingefahren. Dem Geschäft einer Firma wie P. Krücken kam in dieser Aufbauphase zugute – wenn auch nur in bescheidenen Maße –, dass in den Hungerjahren die Grundnahrungsmittel Brot und Kartoffeln die Basis der Ernährung bildeten. So wurden 1948/49 pro Kopf der Bevölkerung 123,9 kg Brot und Mehl verzehrt gegenüber  110,5 kg  vor dem Kriege. Der Wiederaufbau der Firma P. Krücken war dennoch davon berührt, dass der hohe Brotverbrauch nur zu einem kleinen Teil auf inländischem Getreide basierte. Das ausländische Getreide kam anfänglich als Hilfe im Rahmen des Marshall-Plans und später im Wege der Globaleinfuhren herein. Auch als dieses Importverfahren durch Individualimporte abgelöst wurde, war damit noch lange keine Liberalisierung verbunden. Auch für die Firma P. Krücken ging es drum, in die „Verteilung“ des in- und ausländischen Getreides eingeschaltet zu werden. Nach dem frühen Tode Werner Kuchenbuchs wurde die Kontinuität der Geschäftspolitik durch Paul Beuth gewährleistet. Er war schon am  1. Mai 1925 in die Firma eingetreten und hatte hier die kaufmännische Lehre absolviert. Danach ist er bei Krücken geblieben. Im Mai 1951 bekam er Einzelprokura. Er hat fast zehn Jahre das Unternehmen verantwortlich geleitet und entscheidend zum fortgesetzten Aufschwung des Unternehmens beigetragen. Er starb am 1. August 1973 im Alter von 65 Jahren. Er hat über 48 Jahre der Firma P. Krücken angehört.
Die Firma P. Krücken eröffnete am 25. Februar 1941 in Karlsruhe, dem Sitz des damaligen Badischen Getreidewirtschaftsverbandes, eine Niederlassung. Die Geschäftsführung übernahm Oskar Peschken, ein Schwager von Werner Kuchenbuch, Im Krieg wurde die Niederlassung vorübergehend geschlossen, nach dem Krieg aber sofort wieder aktiviert. Im Jahre 1952 wurde sie nach Mannheim verlegt, weil Mannheim die besseren Voraussetzungen für eine süddeutsche Niederlassung bot. Außerdem hatte die Firma Krücken schon vor dem ersten Weltkrieg in dieser Stadt eine Niederlassung.
Die geschäftlichen Aktivitäten der Mannheimer Niederlassung lagen im westlichen in der Agentur. Es kam aber vereinzelt auch schon zum Eigenhandel und zu Finanzierungsgeschäften bei Lieferung von Auslandsweizen an die Großmühlen. Beachtliche Umsätze wurden beim Verkauf von Kleie für Groß- und Mittelmühlen bis nach Norddeutschland erzielt. Die Umsätze der Mannheimer Niederlassung waren lange Zeit größer als die des Kölner Stammhauses.
Die Firma P. Krücken wickelte über die Mannheimer Niederlassung die Einfuhr von Getreide aus Frankreich ab, hauptsächlich Gerste und Weizen, aber auch Hafer und Mais. Weil in Frankreich zum Franc-Kurs ab Station bzw. FOB  gekauft und in Deutschland in deutscher Währung waggonfrei bzw. CIF  verkauft wurde, trug die Firma nicht nur das Risiko der Ware, sondern auch das der Währung. Von Mannheim wie von Köln wurden bedeutende Futtermittelexporte in die Schweiz und nach Österreich getätigt. Es sollte auch erwähnt werden, dass die Firma P. Krücken lange Zeit die Sackgeschäfte gepflegt hat, und zwar sowohl als Vermittlung- als auch als Eigengeschäft.
Nach dem Tode von Maria Kuchenbuch in Jahre 1961 ging das Unternehmen an ihre beiden Enkel, die Söhne von Werner Kuchenbuch, über. Günter Kuchenbuch und Eberhard Kuchenbuch wandelten am 8. August 1961 die Firma in eine offene Handelsgesellschaft um, in der beide gleichberechtigte Gesellschafter wurden. Gleichzeitig wurde die Umstellung von dem Agentur- und Kommissionsgeschäft auf den eigenen Großhandel in Getreide, Mehl und Futtermitteln vollzogen. Damit waren natürlich starke Umsatzsteigerungen verbunden.
Günter Kuchenbuch wurde am 5. März 1932 geboren. Nach dem Tode seines Vaters im Mai 1951 brach er im August des gleichen Jahres sein Studium ab und absolvierte die Kaufmännische Lehre in der Getreidehandelsfirma C. Schwarze in Bremen vom 15. August 1951 bis 31. Januar 1954.
Anschließend war er kurze Zeit bei Leysieffer in St. Goarshausen . Schon am 1. Oktober 1954 trat er in die Firma P. Krücken in Köln ein. Am 1. Juni 1955 ging er zur Mannheimer Niederlassung, um dort seinen Onkel Oskar Peschken zu unterstützen. Seit dem Ausscheiden von Peschen leitete er die Mannheimer Niederlassung. Als er 1961 zusammen mit seinem Bruder Eberhard die Firma
übernahm, war er 29 Jahre alt.

Eberhart Kuchenbuch wurde am 3. September 1934 geboren. Seine kaufmännische Lehre absolvierte er vom 1. Januar 1954 bis 31. März 1956 bei der Landhandelsfirma M. Fuchs KG. In Oberleihnstein.
Nach einem dreimonatigen Lehrgang in der Lehranstalt Burg Warberg ging er am 1. August 1954 zu der Firma deuka Deutsche Kraftfutter GmbH  B. J. Stoip in Düsseldorf, wo er bis 31. März 1957 blieb. Vom 1 April 1957 bis 31. August 1958 war er in der Eiserfelder Walzmühle tätig. Am 1. September 1958 trat er in die Firma
P. Krücken ein, die er 1961, als 27-jähriger, zusammen mit seinem Bruder Günter nach dem Tode von Maria Kuchenbuch übernahm. Er leitete seit dem das Kölner Stammhaus, in dem Paul Beuth bis zu seinem Tode in Jahre 1973 in der Geschäftsführung blieb.
Im Jahre des 125jährigen Bestehens der Firma P. Krücken ist das Unternehmen im zwanzigsten Jahr in den Händen der Brüder Günter Kuchenbuch und Eberhard Kuchenbuch gewesen. Nachdem sie das Unternehmen von dem Agenturgeschäft auf den Großhandel in Getreide, Mehl und Futtermitteln umgestellt hatten, ist eine neue Linie in die Firmenpolitik gebracht worden. Früher hatte die Geschäftigkeit ihr Schwergewicht im Agenturgeschäft, doch wurden gelegentlich und fast zu allen Zeiten auch Großhandels -Eigengeschäfte durchgeführt.  Dieser Umstellung und der Entwicklung  in den  vergangenen zwei Jahrzehnten mag zugutegekommen sein, dass sich die Firmenstruktur im Groß- und Importhandel dieser Branche verändert hat. Viele Firmen, darunter auch alteingesessene von Rang und Namen, sind aus dem Markt ausgeschieden. Die Behauptung eines mittelständischen Großhandelsunternehmens der  Getreide- Futtermittelbranche ist unter den veränderten Marktverhältnissen unter der damaligen Firmenstruktur nicht leicht gewesen. Sie bedarf kluger und oft auch mutiger, sicher aber auch maßvoller unternehmerischer Aktivität. Anderseits kann durch die Flurbereinigung in der Firmenstruktur das Wachstum eines solchen Unternehmens gefördert werden, sofern eine solide Geschäftspolitik verfolgt wird. Günter und Eberhard Kuchenbuch haben in ihrer Geschäftspolitik die Pflege der persönlichen Beziehungen zum Geschäftsprinzip erhoben. Wenn sich Leistung mit persönlicher Bindung paart, kommt jene Geschäftspolitik zustande, die sich von der Anonymität abhebt, die leider oft die Folge wirtschaftlicher Konzentration ist. Im Hause Krücken wird dieses Prinzip auch dann angewandt, wenn zum Vorteil des Kunden einmal Opfer gebracht werden müssen, etwa bei veränderter Kontraktlage. Das sichert letztlich die Treue der Kundschaft, was wiederum ein gegenseitiges Treueverhältnis beider Geschäftspartner schafft. Die ständige Aufwärtsentwicklung der Firma P. Krücken bis zu einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen DM ist nicht zuletzt dieser zielstrebigen und soliden Geschäftspolitik zuzurechnen. Beide damaligen Firmeninhaber waren über die Firma hinaus im Interesse des Berufsstandes ehrenamtlich tätig gewesen. Günter Kuchenbuch war Mitglied des Volkstandes und der Notierungskommission an der Mannheimer Produktenbörse zu Saarbrücken. Eberhard Kuchenbuch war Mitglied des Börsenvorstandes und des Börsenausschusses der Rheinischen Warenbörse zu Köln und Krefeld.

1994


Am  1. September 1994 trennten sich P. Krücken Köln und Mannheim voneinander. Günter Kuchenbuch leitete fortan die Firma P. Krücken Agrarhandel GmbH in Mannheim.

 

 

 

 

 

 


Bevor er das Unternehmen im Jahr  1997 an seinen Sohn Dirk Kuchenbuch übergab. Noch im selben Jahr wandelte dieser die Firma in eine GmbH & Co. KG um.

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2001

 


2001 trat Martin Köster in das Unternehmen als Händler für Bio-Rohstoffe ein. Um das Geschäft mit Bio-Rohstoffen erkennbar auf eigene Füße zu stellen, wurde 2001 von der Muttergesellschaft P. Krücken Agrarhandel GmbH & Co. KG eine eigene Tochtergesellschaft gegründet: P. Krücken Organic GmbH.

Die P. Krücken Organic GmbH nahm 2002 das Geschäft mit Bio-Rohstoffen auf.

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2004

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Im Rahmen eines Management Buy-Outs im Jahr 2004, kauften Herr Dirk Kuchenbuch 70%  und Herr Martin Köster 30% der Unternehmensanteile der P. Krücken Organic GmbH. Seit dieser Zeit führt Herr Martin Köster die Geschäfte.

 

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